Inhalt
Kurzantwort: Eine Rede zum Abschied dauert drei bis fünf Minuten und hat vier Teile: Anlass nennen, gemeinsame Zeit mit ein bis zwei konkreten Geschichten erzählen, danken, gute Wünsche für den neuen Weg. Wer selbst geht, dreht die Reihenfolge um und dankt zuerst. Unten stehen zwei Muster: eines für die Kollegin oder den Chef, der jemanden verabschiedet, eines für die eigene Abschiedsrede.
Abschiede im Job sind häufiger als runde Geburtstage, und trotzdem steht fast jeder beim ersten Mal mit leeren Händen da. Der Kollege wechselt die Firma, die Teamleiterin geht in Elternzeit und kommt woanders zurück, der Azubi hat ausgelernt und zieht weg. Jemand muss etwas sagen, und dieser Jemand sucht kurz vorher nach einer Vorlage.
Beide Muster hier sind bewusst kurz. Eine Abschiedsrede ist ein Rahmen für das Geschenk, den Applaus und das Glas danach. Alles in eckigen Klammern ersetzt du durch Namen, Daten und die Geschichten, die nur euer Team kennt.
Was eine Abschiedsrede leisten muss
Erstens: die Person sichtbar machen, mit dem, was sie im Team bewirkt hat. Zweitens: ehrlich bleiben. Eine Rede, die aus einem schwierigen Kollegen einen Heiligen macht, glaubt niemand im Raum. Drittens: die Tür offen lassen. Der Abschied im Job ist selten endgültig, man begegnet sich in der Branche wieder.
Was nicht hineingehört: der Grund des Weggangs, wenn er unangenehm ist, Gehaltsfragen, interne Konflikte und Anekdoten, bei denen die Person schlecht wegkommt.
Aufbau in vier Teilen
Anlass (30 Sekunden): Wer geht, wohin, seit wann im Team.
Gemeinsame Zeit (2 Minuten): Der erste Tag, ein Projekt, eine Eigenheit, die alle kennen. Eine Geschichte, die zeigt, was die Person ausmacht.
Dank (1 Minute): Konkret. Für die Übergabe, die Nachtschicht, die Geduld mit dem neuen System.
Wünsche und Übergabe des Geschenks (30 Sekunden): Ein Satz für den neuen Weg, dann das Geschenk.
Muster 1: Eine Kollegin oder ein Chef verabschiedet jemanden
Liebe Kolleginnen und Kollegen, [liebe/r Vorname],
heute ist dein letzter Tag bei [Firma oder Abteilung]. Am [Datum des ersten Arbeitstags] hast du hier angefangen, als [Position], und seitdem sind [Zahl] Jahre vergangen. Ab [Monat] bist du bei [neuer Arbeitgeber / in Ort / in einer neuen Rolle], und wir gönnen es dir, auch wenn wir es lieber nicht täten.
Ich erinnere mich an deinen ersten Tag: [kurze Szene, z. B. „Du hast den Kaffeeautomaten in zehn Minuten repariert, an dem wir seit Wochen verzweifelt sind.“] Da wussten wir, dass das passt. In den Jahren danach hast du [zwei bis drei konkrete Dinge: Projekt, Kunde, Aufgabe, die du übernommen hast]. Als [Situation, z. B. „im Sommer 2024 das halbe Team krank war“], hast du [was die Person getan hat]. Das vergisst hier niemand.
Was wir außerdem nicht vergessen: [freundliche Eigenheit, z. B. „deine Excel-Tabellen mit sieben Reitern für eine Bestellung“ oder „dass du jeden Montag Kuchen mitgebracht hast“]. Wer das ab nächster Woche übernimmt, ist noch nicht geklärt.
Danke für [Zahl] Jahre, für die Übergabe, die du in den letzten Wochen vorbereitet hast, und dafür, dass wir dich jederzeit fragen konnten. Für den neuen Weg wünschen wir dir [konkreter Wunsch, passend zum Ziel]. Und weil du uns nicht ganz loswirst: [Name] hat deine Nummer, und das Sommerfest ist am [Datum].
Wir haben etwas für dich vorbereitet. [Übergabe des Geschenks.] Alles Gute, [Vorname]!
Muster 2: Die eigene Abschiedsrede
Liebe Kolleginnen und Kollegen, [liebe Frau / lieber Herr Name der Führungskraft],
nach [Zahl] Jahren bei [Firma] ist heute mein letzter Tag. Ich gehe [nach Ort / zu neuer Aufgabe / in eine neue Rolle], und ich möchte vorher ein paar Dinge sagen, die im Alltag zu kurz kommen.
Danke an [Name], die/der mich am [Datum] eingearbeitet und mir in der ersten Woche [Beispiel] erklärt hat. Danke an das Team [Abteilung], mit dem ich [Projekt oder Aufgabe] gestemmt habe. Danke an [Name der Führungskraft] für [konkret: Vertrauen, Freiraum, das Gespräch im Jahr …].
Was ich mitnehme: [ein bis zwei Dinge, die du hier gelernt hast, z. B. „dass ein Anruf schneller ist als zehn Mails“ oder „wie man einen Kunden zurückholt“]. Was ich hierlasse: [Übergabe, z. B. „eine Übergabeliste bei Name, den Schlüssel für Raum 3 und den Kuchen in der Küche“].
Ich wünsche euch [konkreter Wunsch für Team oder anstehendes Projekt]. Meine Nummer bleibt gleich, und ich freue mich, wenn wir uns beim [Sommerfest / Messe / Stammtisch] sehen. Danke für die Zeit.
Bausteine zum Austauschen
Einstieg über eine Zahl
„[Zahl] Jahre, das sind ungefähr [Zahl × 220] Arbeitstage, [Zahl × 220 × 2] Kaffee und mindestens ein Drucker, der wegen dir eine Ausrede erfunden hat.“ Zahlen holen die Zuhörer schneller ab als Sätze über die Zeit.
Abschied in die Elternzeit oder ins Sabbatical
Kein Abschied auf Dauer. Der Ausblick heißt dann: „Wir halten den Platz warm, und der Kaffeeautomat bleibt, wie er ist.“ Kürzer als bei einem endgültigen Weggang, zwei bis drei Minuten.
Abschied nach Kündigung durch den Arbeitgeber
Wenn die Trennung nicht freiwillig war, verzichtest du auf den Grund und auf Ausblicke, die wie Trost klingen. Dank für die geleistete Arbeit, ein Satz zu dem, was bleibt, Wünsche. Frag die Person vorher, ob sie eine Rede überhaupt möchte.
Was rechtlich dazugehört
Zeugnis: Nach § 109 Abs. 1 GewO hat jeder Arbeitnehmer bei Beendigung Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis, auf Verlangen mit Angaben zu Leistung und Verhalten. Wer eine Abschiedsrede hält, sitzt oft in der Position, das Zeugnis zu schreiben. Beides sollte zueinander passen.
Fotos: Bilder vom Abschied, die in Firmenchats oder auf der Website landen, brauchen nach § 22 KunstUrhG die Einwilligung der Abgebildeten. Ein kurzer Satz vor dem Gruppenfoto reicht.
Geschenk: Sachgeschenke des Arbeitgebers zu einem persönlichen Anlass bleiben nach Angaben der IHK Rhein-Neckar bis 60 Euro brutto steuerfrei, Geldgeschenke sind steuerpflichtig. Das betrifft das offizielle Geschenk der Firma. Die private Sammlung im Team hat damit nichts zu tun.
Häufige Fragen
Wie lang sollte eine Abschiedsrede sein?
Drei bis fünf Minuten, also 350 bis 600 Wörter. Bei der eigenen Abschiedsrede eher drei.
Wer hält die Rede: Chef oder Kollegen?
Üblich ist die direkte Führungskraft. Wenn die Person im Team stärker verankert war als in der Hierarchie, spricht besser jemand aus dem Team, und die Führungskraft sagt zwei Sätze.
Darf ich in der Rede sagen, warum die Person geht?
Nur, wenn die Person das selbst offen kommuniziert hat. Bei Kündigung, Krankheit oder Konflikt bleibt der Grund draußen.
Soll ich Witze machen?
Eine freundliche Eigenheit, über die die Person selbst lacht, ja. Witze über Schwächen, Fehler oder Aussehen, nein.
Wie beginne ich meine eigene Abschiedsrede, ohne sentimental zu werden?
Mit dem Datum des ersten Tags und einem konkreten Detail von damals. Das ist persönlich und bleibt sachlich.
Was, wenn ich die Person kaum kannte?
Frag zwei Kollegen nach je einer Geschichte und nenne sie als Quelle: „[Name] hat mir erzählt, dass …“ Das ist ehrlicher als erfundene Nähe.
Quellen
§ 109 GewO – Zeugnis
§ 22 KunstUrhG – Recht am eigenen Bild
IHK Rhein-Neckar: Steuerfreie Arbeitgeberleistungen 2026
Das passt dazu
Drei Artikel, die dieselbe Frage von einer anderen Seite angehen:
- Rede zum Volkstrauertag: Muster für Gemeinde und Ehrenmal
- Rede zum Veteranentag: Muster für Bürgermeister und Reservisten
- Rede zum Vereinsjubiläum: Muster für 25, 50, 100 und 125 Jahre
Geschrieben von Bella, Redaktion gratisvordrucke.de — sie schreibt hier über Vorlagen, Musterschreiben und was rechtlich hineingehört.






